Essbare Algen

Katsuobushi: Was Bonitoflocken sind und wie du sie nutzt

Katsuobushi sind hauchdünn gehobelte Flocken aus getrocknetem Bonito, kein Algenprodukt. Herstellung, Formen im Handel, Verwendung und vegane Alternativen.

Schale mit hauchdünnen hellbraunen Katsuobushi-Flocken neben einem Stück getrocknetem Kombu

Katsuobushi sind hauchdünn gehobelte Flocken aus getrocknetem, geräuchertem und meist fermentiertem Bonito. Es ist also ein Fischerzeugnis und keine Alge. Auf diesem Portal steht die Warenkunde trotzdem, weil Katsuobushi zusammen mit der Alge Kombu die Basis von Dashi bildet, der Grundbrühe der japanischen Küche. Der Fisch dahinter ist der Echte Bonito (Katsuwonus pelamis), den das Thünen-Institut auch unter dem Handelsnamen Skipjack führt. Im Laden bekommst du Katsuobushi fast immer als fertig gehobelte Flocken in der Tüte, seltener als harten, holzähnlichen Block zum Selbsthobeln. Wer ohne Fisch kocht, ersetzt ihn durch reines Kombu-Dashi oder durch Shiitake-Dashi.

Katsuobushi und Kombu: das Paar hinter Dashi

Dashi entsteht klassisch aus genau zwei Zutaten: Kombu für die eine Hälfte des Geschmacks, Katsuobushi für die andere. Beide bringen unterschiedliche Umami-Stoffe mit, und erst zusammen ergeben sie den Effekt, für den die Brühe bekannt ist.

Das Umami Information Center, eine japanische Fachorganisation zum fünften Grundgeschmack, beschreibt das so: Kombu ist reich an Glutamat, Katsuobushi an Inosinat. Treffen beide aufeinander, verstärkt sich der Umami-Eindruck deutlich, mehr als es die Summe der Einzelteile vermuten lässt. Genau darauf beruht Ichiban-Dashi, die erste und feinste Brühe der japanischen Küche, für die Katsuobushi in eine fertige Kombu-Brühe gegeben wird.

Die Zahlen dazu sind aufschlussreich, weil sie zeigen, wie viel das Trocknen ausmacht. Für Katsuobushi nennt dieselbe Quelle 470 bis 700 Milligramm Inosinat je 100 Gramm, für frischen Bonito dagegen 130 bis 270 Milligramm. Auch der Eiweißanteil steigt stark: von rund 25 Prozent im rohen Fisch auf etwa 77 Prozent im fertigen Katsuobushi. Was in der Tüte liegt, ist also ein extrem konzentriertes Würzmittel, kein Fischgericht. Deshalb reichen kleine Mengen, und deshalb wandert der größte Teil des Geschmacks beim Dashi ins Wasser, während die Flocken selbst abgeseiht werden.

Für dich in der Küche heißt das: Katsuobushi ersetzt keine Alge und keine Alge ersetzt Katsuobushi. Die beiden arbeiten zusammen. Wenn du bisher nur Kombu-Dashi gekocht hast, ist Katsuobushi der nächste Schritt, und wenn du kein Fischprodukt möchtest, gibt es dafür einen eigenen Abschnitt weiter unten.

Wie aus einem Bonito ein harter Block wird

Katsuobushi entsteht in vier Schritten: kochen, entgräten, über Holzrauch trocknen, mit Edelschimmel reifen lassen. Am Ende steht ein Stück Fisch, das so hart ist, dass es an Holz erinnert und gehobelt werden muss.

Welcher Fisch drinsteckt, verwirrt gern: Katsuo ist der japanische Name des Echten Bonito (Katsuwonus pelamis), den das Thünen-Institut als weltweit verbreitete Art führt, die bei uns meist als Konserve unter der Bezeichnung Thunfisch im Regal steht. Deshalb kann auf einer Katsuobushi-Packung Thunfisch stehen und daneben der lateinische Name. Mit der Fregattmakrele, dem unechten Bonito, hat er nichts zu tun.

Kochen. Der filetierte Bonito wird laut Umami Information Center 60 bis 90 Minuten gesimmert. Das ist mehr als Garen: Die Hitze schaltet ein Enzym aus, das Inosinat sonst abbauen würde. Das Umami wird also gleich zu Beginn festgesetzt.

Entgräten. Haut und Gräten kommen weg. Diese Stufe heißt Namaribushi und ist in Japan ein eigenes Lebensmittel, hier aber praktisch nicht erhältlich.

Räuchertrocknen (Baikan). Die Filets werden über Holzrauch getrocknet, in mehr als einem Dutzend Durchgängen, bis der Wassergehalt laut Nippon.com unter 26 Prozent liegt. Das Ergebnis heißt Arabushi und ist bereits verkaufsfähig.

Schimmelreifung (Kabitsuke). Für die höheren Stufen kommt ein Edelschimmel dazu, der wiederholt aufgetragen, abgerieben und nachgetrocknet wird. Eine Arbeit in Microbiology Resource Announcements (2021) beschreibt Aspergillus chevalieri als dominierende Art und hält fest, dass diese Pilze Proteine und Fette abbauen und dabei das Aroma prägen. Das Umami Information Center gibt für diese Phase rund vier Monate an, das Ergebnis heißt Karebushi. Mehrfach wiederholt entsteht Honkarebushi, die höchste Stufe, für die Nippon.com insgesamt über sechs Monate veranschlagt.

Hauchdünne Katsuobushi-Flocken über einer Schale warmen weißen Reis

Fermentiert wird hier also im Wortsinn, aber anders als bei Miso oder Sojasauce: Der Schimmel sitzt außen auf dem Block, zieht die Restfeuchte heraus und arbeitet sich langsam nach innen. Deswegen dauert Katsuobushi so lange, und deswegen unterscheiden sich die Handelsstufen im Preis so deutlich.

Welche Formen es im Handel gibt

Der Unterschied zwischen den Sorten liegt vor allem im Schnitt. Dünn gehobelte Flocken geben ihr Aroma schnell ab und eignen sich zum Streuen, dick gehobelte ziehen länger und ergeben kräftigere Brühen.

FormWie sie aussiehtWofürHinweis
Hanakatsuobreite, hauchdünne Flocken, laut Nippon.com unter 0,2 Millimeter dickDashi und ToppingDer Hersteller Yamaki bezeichnet sie als Allzweckschnitt für Brühe und Garnitur.
Atsukezuridick gehobelte Spänekräftige Brühen mit langer ZiehzeitLaut Yamaki für kräftige Dashi als Basis von Nudelsuppen gedacht.
Itokezurifadenfein geschnittene StreifenGarniturVor allem Optik, laut Yamaki ein Garniturschnitt.
Saihen oder Hasaizerkleinerte Bruchstücke, fast grießartigWürzen, Füllungen, StreuwürzePraktisch für Okaka und für Mischungen wie Furikake.
Ganzer Blockharter, dunkler, holzähnlicher Riegelfrisch hobeln vor dem KochenBraucht einen Hobel (Kezuriki). Laut Nippon.com stand der früher in vielen japanischen Haushalten, heute ist ab Werk gehobelte Ware der Normalfall.

Im deutschen Handel bekommst du meist dünn gehobelte Flocken in der Tüte, so auch beim Algenladen (Anbieterangabe). Blöcke und Hobel sind eine Anschaffung für Leute, die häufig japanisch kochen. Ihr Reiz liegt darin, dass die Flocken direkt vor dem Kochen entstehen und nicht schon Wochen in der Packung liegen.

Wofür du Katsuobushi in der Küche brauchst

Katsuobushi hat zwei sehr verschiedene Rollen: Entweder wird es ausgezogen und wieder entfernt, oder es bleibt als Topping auf dem Teller und wird mitgegessen.

Dashi und Awase-Dashi. Das ist die Hauptverwendung. Für Awase-Dashi kommt Katsuobushi in die fertige, noch heiße Kombu-Brühe, zieht kurz und wird dann abgeseiht. Unser Dashi-Grundrezept setzt dafür 10 Gramm Kombu auf einen Liter Wasser an und erklärt die Schritte im Detail, hier geht es um die Zutat, nicht um das Rezept. Wie dieselbe Brühe im fertigen Gericht wirkt, siehst du in der Miso-Suppe mit Kombu-Dashi.

Topping auf Okonomiyaki und Takoyaki. Über den fertigen, heißen Teller gestreut sind die Flocken eine eigene Geschmacksebene. Weil sie hauchdünn sind, bewegen sie sich dabei im aufsteigenden Dampf. Auch der Algenladen nennt genau diese Verwendung als Anwendungsbeispiel für sein Produkt (Anbieterangabe).

Furikake. In der japanischen Streuwürze steckt klassisch ein Anteil Katsuobushi neben Nori und Sesam. Er bringt Rauchnote und zusätzliches Umami mit und ist der Grund, warum viele gekaufte Mischungen nicht vegan sind. Die Grundmischung und eine pflanzliche Variante stehen im Artikel Furikake selber machen.

Okaka als Onigiri-Füllung. Okaka ist Katsuobushi, vermischt mit Sojasauce. In unserem Onigiri-Rezept sind es zwei Esslöffel Katsuobushi auf einen Teelöffel Sojasauce, genug für mehrere Reisbällchen. Wer Dashi kocht, hat die Zutat ohnehin im Haus.

Eine Faustregel für die Menge gibt es nicht, weil die Flocken je nach Schnitt sehr unterschiedlich dicht in der Tüte liegen. Als Topping gilt: lieber locker auflegen als andrücken. Und wenn eine Packung eine Verzehrempfehlung nennt, geht diese Angabe vor.

Ohne Fisch: was du statt Katsuobushi nimmst

Es gibt zwei brauchbare Wege, und beide sind vollständig pflanzlich: reines Kombu-Dashi und Shiitake-Dashi. Beide sind keine Notlösung, sondern in Japan eigenständige Brühen mit eigenem Namen.

Kombu-Dashi allein ist die einfachste Variante und bereits eine vollwertige Brühe, weil das Glutamat aus der Alge auch ohne Partner trägt. Sie schmeckt milder und klarer als Awase-Dashi, die rauchig-fischige Tiefe fehlt.

Shiitake-Dashi schließt genau diese Lücke am ehesten. Getrocknete Shiitake liefern laut Umami Information Center rund 150 Milligramm Guanylat je 100 Gramm, und Guanylat ist neben Glutamat und Inosinat der dritte der drei großen Umami-Stoffe. Es funktioniert mit Glutamat nach demselben Verstärkungsprinzip wie Inosinat, du erreichst mit Kombu und Shiitake also eine vergleichbare Synergie wie mit Kombu und Katsuobushi. Wichtig ist die Einweichtemperatur: Dieselbe Quelle empfiehlt, getrocknete Shiitake im Kühlschrank bei etwa 4 Grad einzuweichen, weil heißes Wasser Enzyme aktiviert, die das Guanylat abbauen. Kalt und langsam ist hier also die bessere Wahl.

Beide Varianten stehen mit Mengen und Ziehzeiten im Dashi-Rezept. Wenn du vegetarisch oder vegan kochst, lohnt außerdem ein Blick auf fertige Mischungen: Instant-Dashi, Furikake und viele Würzpulver enthalten Bonito, ohne dass es auf der Vorderseite steht. Die Zutatenliste und der Allergenhinweis Fisch verraten es zuverlässig. Welche Algen sich für den Einstieg eignen, wenn du japanisch ohne Fisch kochen willst, steht in unserer Kaufberatung für Einsteiger.

Katsuobushi kaufen, erkennen und lagern

Beim Kauf lohnen drei Blicke: auf die Stufe (Arabushi oder Karebushi), auf die Zutatenliste und auf die Packungsgröße. Der Aufwand hinter den Stufen ist sehr verschieden, entsprechend verschieden fallen Aroma und Preis aus.

Arabushi oder Karebushi. Arabushi ist nur geräuchert und getrocknet, Karebushi zusätzlich mit Edelschimmel gereift, Honkarebushi mehrfach. Nippon.com beschreibt Honkarebushi als milder und aromatisch reicher. Auf vielen Packungen steht die Stufe nicht, dann hilft zumindest die Zutatenliste weiter.

Was in der Zutatenliste steht. Beim Katsuobushi des Algenladens sind es laut Anbieter Thunfisch (Katsuwonus pelamis) zu 100 Prozent sowie Raucharomen aus Buchen-, Erlen- und Eichenholz, bei einem angegebenen Eiweißgehalt von 81 Gramm je 100 Gramm. Raucharoma statt echtem Holzrauch ist ein Unterschied, den du an dieser Stelle tatsächlich erkennen kannst.

Warum echter Rauch in Europa ein Thema ist. Beim Räuchern über Holz entstehen polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Für Muskelfleisch geräucherter Fische und geräucherter Fischereierzeugnisse gelten in der EU Höchstgehalte, das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe nennt 2 Mikrogramm Benzo(a)pyren je Kilogramm und 12 Mikrogramm für die Summe von vier PAK. Nippon.com berichtet, dass traditionell hergestellter Katsuobushi deshalb nicht ohne Weiteres aus Japan in die EU eingeführt werden konnte, und beschreibt, wie der japanische Hersteller Wadakyū daraufhin ein Werk im spanischen O Porriño aufgebaut und ein Räucherverfahren entwickelt hat, bei dem kein Benzopyren entsteht. Eine Erzeugergemeinschaft aus der japanischen Katsuobushi-Stadt Makurazaki betreibt aus demselben Grund eine eigene Produktion im bretonischen Concarneau (Anbieterangabe). Für dich als Käufer heißt das vor allem: Ware aus europäischer Produktion ist kein Ersatzprodukt, sondern eine Antwort auf die hiesigen Vorgaben.

Wo du es bekommst. Katsuobushi führen japanische Lebensmittelgeschäfte, gut sortierte Asia-Läden und einige Online-Shops. Der Algenladen hat Katsuobushi-Flocken in einer 40-Gramm-Packung und zusätzlich eine dreiteilige Dashi-Box aus Katsuobushi, Bio-Kombu und getrockneten Shiitake im Sortiment (Bezugsquelle am Ende dieser Seite). Wie Bestellung und Versand dort laufen, steht in unserem Erfahrungsbericht. Spezialisierte Japan-Versender führen auch Blöcke und Hobel, dorthin verlinken wir aktuell nicht.

Lagerung. Trocken, kühl und lichtgeschützt, angebrochene Packungen luftdicht verschlossen. Die Flocken sind hauchdünn und verlieren an Aroma, sobald sie Luft und Feuchtigkeit ziehen. Verbindlich ist das Mindesthaltbarkeitsdatum auf der Packung, pauschale Haltbarkeitsangaben in Monaten lassen sich nicht seriös belegen. Wer selten damit kocht, kauft besser die kleine Packung, denn eine halb leere Tüte über ein Jahr hinweg bringt geschmacklich wenig.

Quellen

  • Katsuobushi und Dashi-Zutaten beim Algenladen

    Katsuobushi Bonito-Flocken in einer 40-g-Packung sowie eine dreiteilige Dashi-Box aus Katsuobushi, Bio-Kombu und getrockneten Shiitake (Anbieterangaben).

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Häufige Fragen

Was ist Katsuobushi genau?

Katsuobushi ist getrockneter, geräucherter und meist fermentierter Bonito, der zu hauchdünnen Flocken gehobelt wird. Verwendet wird dafür der Echte Bonito (Katsuwonus pelamis), der laut Thünen-Institut zur Familie der Makrelen und Thunfische gehört und bei uns vor allem als Dosenthunfisch verkauft wird. Katsuobushi ist also ein Fischerzeugnis und keine Alge. Auf diesem Portal steht es, weil es zusammen mit der Alge Kombu die Basis der japanischen Grundbrühe Dashi bildet.

Ist Katsuobushi vegan oder vegetarisch?

Nein, weder noch. Katsuobushi besteht aus Fisch und trägt deshalb auch den Allergenhinweis Fisch. Wer pflanzlich kocht, nimmt reines Kombu-Dashi oder Shiitake-Dashi. Getrocknete Shiitake liefern laut Umami Information Center etwa 150 Milligramm Guanylat je 100 Gramm, das zusammen mit dem Glutamat aus Kombu eine ähnliche Umami-Verstärkung ergibt.

Was ist der Unterschied zwischen Arabushi und Karebushi?

Arabushi ist die Stufe direkt nach dem Räuchertrocknen, laut Nippon.com mit einem Wassergehalt unter 26 Prozent. Karebushi wird danach zusätzlich mit einem Edelschimmel behandelt und reift weiter. Die höchste Stufe heißt Honkarebushi, sie durchläuft mehrere Schimmel- und Trocknungsrunden und braucht insgesamt mehr als sechs Monate.

Wofür verwende ich Katsuobushi außer für Dashi?

Als Topping über fertige Gerichte, etwa Okonomiyaki und Takoyaki, als Bestandteil der Streuwürze Furikake und als Onigiri-Füllung Okaka, für die Katsuobushi mit Sojasauce vermischt wird. In allen drei Fällen wird die Flocke mitgegessen, statt wie beim Dashi nur ausgezogen und abgeseiht zu werden.

Wie bewahre ich Katsuobushi auf?

Trocken, kühl und lichtgeschützt, angebrochene Packungen luftdicht verschlossen. Die Flocken sind sehr dünn und verlieren an Aroma, sobald sie Luft und Feuchtigkeit ziehen. Verbindlich ist das Mindesthaltbarkeitsdatum auf der Packung, pauschale Monatsangaben lassen sich nicht seriös belegen.

Lena Koopmann

Veröffentlicht am